Liquiditätsmanagementtools (LMT)
Der Schutz unserer Anleger und die Stabilität der Investmentfonds haben für uns höchste Priorität. Auf dieser Seite informieren wir Sie über Instrumente, mit denen Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGen) die Liquidität von offenen Investmentfonds steuern – die sogenannten Liquiditätsmanagementtools (LMTs).
Neue Regulierung für mehr Anlegerschutz
Bereits im Jahr 2020 wurden im Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) erste LMTs etabliert, um auf Liquiditätsengpässe reagieren zu können, ohne Fonds direkt komplett schließen zu müssen. Mit Wirkung zum 16. April 2026 sind EU-weit deutlich erweiterte Vorschriften in Kraft getreten.
Die Umsetzung der novellierten europäischen Richtlinien (AIFMD II sowie die OGAW-Richtlinie) in Verbindung mit detaillierten ESMA-Leitlinien (European Securities and Markets Authority) durch das deutsche Fondsrisikobegrenzungsgesetz und dem darin geänderten KAGB, verpflichtet KVGen künftig, aus einem standardisierten europäischen Katalog mindestens zwei LMTs zwingend auszuwählen und in die Anlagebedingungen aufzunehmen.
Kernziele der LMTs
Das primäre Ziel dieser Instrumente ist es, dass KVGen bei außergewöhnlichen Marktbedingungen oder verstärkten Rückgabeverlangen flexibel und fair reagieren können. LMTs verhindern oder verzögern die vollständige Aussetzung der Anteilrücknahme, schützen langfristig investierte Anleger vor einer Verwässerung ihres Fondsvermögens und gewährleisten die finanzielle Stabilität der Märkte.
LMTs im Überblick
Während früher bei Liquiditätsengpässen oft nur die vollständige Aussetzung der Anteilrücknahme blieb, stehen Fondsmanagern nun unter anderem folgende abgestufte Werkzeuge zur Verfügung:
Verlängerung der Rückgabefrist (Notice Periods)
Die Anlagebedingungen eines Investmentfonds können vorsehen, dass Anleger die Rückgabe ihrer Anteile nicht sofort, sondern nur unter Einhaltung einer bestimmten Rückgabefrist wirksam erklären können (z.B. bei offenen Immobilienfonds). Die Verlängerung der Rückgabefrist bedeutet, dass die Rückgabefrist durch die KVG über eine dem Fonds angemessene Mindestfrist hinaus verlängert wird, die die Anleger der KVG vor der Rückgabe ihrer Anteile einräumen müssen. Dies gibt dem Fondsmanager Zeit, entsprechende Vermögenswerte geordnet zu liquidieren. Die Abrechnung erfolgt zum NAV am Ende der Rückgabefrist.
Rücknahmebeschränkungen (Redemption Gates)
Die Rückgabe von Anteilen kann durch die KVG vorübergehend und teilweise eingeschränkt werden, wenn außergewöhnlich hohe Rückgabeaufträge bei der KVG eingehen und dies im Interesse der Gesamtheit der Anleger erforderlich ist. Überschreiten die Rückgabeforderungen an einem Stichtag einen definierten Schwellenwert (z.B. 5% des Fondsvermögens), wird die Ausführung temporär limitiert und nur ein Teil der Rückgabewünsche erfüllt. Der restliche Teil der Order wird auf den nächsten Handelstag verschoben oder verfällt.
Rücknahmeaussetzung und Aussetzung von Zeichnungen
Die Rückgabe von Anteilen durch Anleger sowie die Ausgabe neuer Anteile kann durch die KVG vorübergehend ausgesetzt werden. Eine derartige Aussetzung darf erfolgen, wenn außergewöhnliche Umstände vorliegen, die eine Aussetzung unter Berücksichtigung der Interessen
der Anleger erforderlich erscheinen lassen. Während der Dauer der Aussetzung können Anleger keine Anteile am jeweiligen Investmentfonds zurückgeben oder neu erwerben. KVGen können zudem auch nur die Ausgabe von Anteilen aussetzen oder nur die Rückgabe von Anteilen.
Swing Pricing
Bei Swing Pricing handelt es sich um einen im Voraus festgelegten Mechanismus, bei dem der Nettoinventarwert der Anteile eines Investmentfonds durch Anwendung eines Faktors (‚Swing-Faktor‘) angepasst wird, welcher dann die Liquiditätskosten im Ausgabe- und Rücknahmepreis berücksichtigt. So tragen die verursachenden Anleger die Kosten, nicht die im Fonds verbleibenden Anleger. Sofern ein Investmentfonds Swing Pricing verwendet, darf er nicht zeitgleich Dual Pricing nutzen.
Verwässerungsschutzgebühren (Anti-Dilution Levies)
Die Verwässerungsschutzgebühr ist eine Gebühr, die ein Anleger bei der Ausgabe oder der Rücknahme von Anteilen an den Fonds zahlt, die den Fonds für die auf Grund des Umfangs dieser Transaktion entstandenen Liquiditätskosten entschädigt und die sicherstellt, dass andere Anleger nicht in ungerechtfertigter Weise benachteiligt werden. Anstatt den gesamten NAV anzupassen, wird hier eine separate, variable Gebühr vom aus- oder einsteigenden Anleger erhoben, die direkt dem Fondsvermögen zu 100% zufließt.
Rückgabegebühren (Redemption Fees)
Eine Rückgabegebühr ist eine Gebühr, die innerhalb einer vorgegebenen Bandbreite unter Berücksichtigung der Liquiditätskosten von den Anlegern bei der Rückgabe von Anteilen an den Fonds gezahlt wird. Damit wird sichergestellt, dass Anleger, die im Fonds verbleiben, nicht ungemessen benachteiligt werden. Im Gegensatz zur Verwässerungsschutzgebühr ist dieser Satz oft pauschalisiert. Die Gebühr fließt zu 100% dem Fondsvermögen zu.
Dual Pricing
Der Fonds stellt zwei separate Preise: einen höheren Ausgabepreis und einen niedrigeren Rücknahmepreis. Die Spanne zwischen den Kursen reflektiert die Transaktions- und Liquiditätskosten der zugrundeliegenden Vermögenswerte. Ziel des Dual Pricing ist es, die verbleibenden Anleger vor Nachteilen zu schützen, die durch die mit der Anteilsausgabe oder -rücknahme verbundenen Transaktionskosten entstehen können. Sofern ein Investmentfonds das Liquiditätsmanagementtool Dual Pricing verwendet, darf es nicht zeitgleich Swing Pricing nutzen.
Sachauskehr (Redemption in kind)
Es werden vom Fonds gehaltene Vermögenswerte (z.B. Aktien oder Anleihen) anstelle von Barmitteln an die Anteilseigner übertragen, um die Auszahlungsaufträge zu erfüllen. Dies ist aus rechtlichen Gründen nur für professionelle Anleger und nur innerhalb von Ein-Anleger-Spezialfonds möglich. Professionelle Anleger müssen berücksichtigen, dass sie in einem solchen Fall Vermögensgegenstände erhalten, die sie anschließend selbst verwalten oder veräußern müssen. Dies kann mit zusätzlichem Aufwand verbunden sein und setzt unter Umständen voraus, dass der Anleger über ein geeignetes Depot oder Konto zur Verwahrung dieser Vermögensgegenstände verfügt.
Abspaltung illiquider Anlagen (Side Pockets)
Bei der Abspaltung illiquider Anlagen geht es darum, dass bestimmte Vermögenswerte, deren wirtschaftliche oder rechtliche Merkmale sich erheblich verändert haben oder aufgrund außergewöhnlicher Umstände unsicher geworden sind, von den anderen Vermögenswerten des Fonds getrennt werden. Dies geschieht im Rahmen der Separierung eines eigenen Sondervermögens, dessen ausschließlicher Zweck die Abwicklung der illiquiden Anlagen ist. Nur Anleger, die zum Zeitpunkt der Abspaltung bereits investiert waren, erhalten automatisch Fondsanteile an diesem Side Pocket. Ziel dieser Maßnahme ist es, eine faire Behandlung aller Anleger zu gewährleisten und zu vermeiden, dass illiquide Vermögenswerte den Rücknahmepreis beeinflussen oder andere Anleger benachteiligen.
Auswirkungen auf Ihre Anlage
Für Sie als Anleger bedeuten die LMTs eine deutliche Verbesserung des Anlegerschutzes. Anstatt bei Marktstörungen den Fonds sofort einzufrieren, nutzt die KVG abgestufte Maßnahmen. Es kann bei der Ausübung dieser Tools jedoch dazu kommen, dass sich die Auszahlung von Rückgabewerten verzögert (z. B. durch Gates oder Fristen) oder die Auszahlungsbeträge durch Swing Pricing bzw. Gebühren tagesaktuell modifiziert werden.
FAQs
Können Fonds zukünftig immer noch komplett geschlossen werden?
Ja, die vollständige Aussetzung der Anteilrücknahme ist als letztes Mittel ("Ultima Ratio") weiterhin im Werkzeugkasten der KVGen enthalten. Die neuen LMTs dienen jedoch als milderes Mittel, um dieses drastische Szenario so gut wie möglich zu vermeiden.
Ab wann gelten die neuen LMT-Vorschriften?
Die novellierten Regeln der AIFMD II und OGAW-Richtlinien (in DE durch das Fondsrisikobegrenzungsgesetz umgesetzt) sind formell am 16. April 2026 in Kraft getreten. Für Bestandfonds gibt es teils Übergangsfristen bis 2027.
Wo finde ich Informationen darüber, welche LMTs mein Fonds nutzt?
Welche LMTs ein spezifischer Fonds ausgewählt hat, wird in den jeweiligen Verkaufsprospekten und den Anlagebedingungen (z.B. im Basisinformationsblatt) des Fonds veröffentlicht. Zudem müssen KVGen die Aufsichtsbehörden und depotführende Stellen informieren, sobald ein LMT aktiv eingesetzt wird.
Wie werden LMTs aktiviert?
Die Fondsmanager überwachen das Liquiditätsprofil des Fonds fortlaufend. Die Aktivierung erfolgt bedarfsabhängig auf Basis festgelegter interner Richtlinien, oft wenn bestimmte Schwellenwerte für Mittelabflüsse überschritten werden oder der Markt extreme Schwankungen aufweist.
Wie werde ich über die Aktivierung eines LMTs informiert?
Wenn sich Ihr Rücknahme- oder Ausgabeauftrag auf einen Fonds bezieht, über den die KVG das LMT Rückgabebeschränkung, verlängerte Rücknahmefrist, Rücknahmeaussetzung und/oder Ausgabeaussetzung aktiviert hat, informieren wir Sie nach Erhalt Ihres Auftrags. Wenn sich Ihr Rücknahme- oder Ausgabeauftrag auf einen Fonds bezieht, über den die KVG das LMT Swing Pricing, Dual Pricing, Rückgabegebühr und Verwässerungsschutzgebühr aktiviert hat, informieren wir Sie nach Ausführung Ihrer Order auf dem Depotauszug bezüglich des von der KVG herangezogenen relevanten Marktpreises.